Zur Historie von musica femina münchen e. V.

Vortrag von Sara Jessel in der Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, Frankfurt/Main, am 25. April 1898. Bild: © Archiv Frau und Musik.
Im Frühsommer 1987 beschlossen vier Frauen – zwei Musikerinnen und zwei Journalistinnen, etwas an der Tatsache zu ändern, dass es „so wenig Componistinnen giebt“, was knapp 90 Jahre vorher bereits Inhalt eines Vortrags in Frankfurt/Main war, wie nebenstehend illustriert. Der Name „musica femina münchen“ (mfm) war schnell gefunden. Die neu gegründete Initiative beschloss, jährlich zwei bis drei Konzerte mit Musik von Frauen veranstalten. Ihr Ziel war und ist, Komponistinnen der Vergangenheit ans Licht zu holen und Komponistinnen der Gegenwart in ihrer Arbeit zu unterstützen und ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken – und zwar so lange, bis die Musik von Frauen im etablierten Konzertbetrieb gleichberechtigt und selbstverständlich neben der Musik von Männern gespielt wird.
Und die Idee lag offenbar in der Luft!
Denn bereits zehn Jahre zuvor war der Internationale Arbeitskreis Frau und Musik e. V. in Köln von Elke Mascha Blankenburg und Freundinnen gegründet worden. Das erste Frauenmusikfestival hatte 1980 in Köln stattgefunden, und in München hatten die „Sirenen“ mit Frauenmusik einen Anfang gemacht. Am 10. Dezember 1988 wurde aus der Arbeitsgruppe musica femina münchen ein Verein. Ende Juni 1989 wurde die Initiative ins Vereinsregister eingetragen. Gründungsmitglieder dieser Zeit waren Margaret Minker (Initiatorin), Dr. Helga Kästner, Inge Köhle, Anni Kraus, Renate Lettenbauer, Elisabeth Prossel und Bettine Rumpler.
Das erste Konzert
fand aber schon vor der offiziellen Aufnahme ins Vereinsregister am 6. März 1988, dem Internationalen Tag der Frau, im großen Rahmen statt. Denn die Musikaktivistinnen – eine stattliche Anzahl von Frauen unterschiedlicher Berufe und ein „Quoten“-Mann – hatten keine Zeit mehr zu verlieren.
Sie mieteten den Carl-Orff-Saal im Münchner Gasteig. Oberbürgermeister Kronawitter war Schirmherr und das Kulturreferat der Landeshauptstadt München förderte das Projekt großzügig. Vor 400 begeisterten Zuhörer:innen lief ein musikalisches Vierstunden-Programm ab – ein gewaltiger Anfangserfolg, mit großem Enthusiasmus geplant, organisiert und gefeiert! Dank aller Freund:innen, Bekannten und Kolleg:innen.
Wegmarken seit der Gründung im Jahr 1988
Die Konzertprogramme von musica femina münchen stellten von Anfang an eine ausgewogene Mischung aus „älteren“ Kompositionen, vor allem des 18. und 19. Jahrhunderts, dar. Auch für Werke dieser Jahrhunderte gab es durch mfm deutsche und Münchner Ur- und Erstaufführungen nach langer Zeit des Vergessens! Gleichzeitig kamen Werke der Gegenwart zur Aufführung. 1992 wurde erstmals ein Konzert ausschließlich mit zwei zeitgenössischen Komponistinnen bestritten. Es war zudem das erste Gesprächskonzert, dem viele weitere folgten.
Gründung des Komponistinnen-Archivs München (KAM)
Dank einer zeitweise vom Arbeitsamt und der Stadt München getragenen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gründete musica femina münchen 1995 das Komponistinnen-Archiv München (KAM). Erfasst wurden hier alle erreichbaren Daten über Komponistinnen und die Fundorte ihrer Werke in München aus den mfm-Beständen sowie aus den Münchner Bibliotheken, wie:
- Noten
- Biographisches
- Tonträger
- Bilder
- Programmhefte etc.
Sechs Jahre später – im Dezember 2001 – wurde das KAM an das Archiv des Internationalen Arbeitskreises Frau und Musik in Frankfurt/Main übergeben und dort als Sondersammlung in das weltweit größte, älteste und bedeutendste Archiv zum Thema Frau und Musik eingebunden. Man kann die KAM-Bestände dort auch online recherchieren.
Komponistinnen ins Licht der Öffentlichkeit!
Von 1988 bis 2001 veranstaltete musica femina münchen in einer eigenen Reihe Komponistinnen jährlich zwei Konzerte in München und Umgebung. Auf Einladung anderer Organisationen gestaltete der Verein außerdem Musikbeiträge zu Veranstaltungen. Nach 25 Komponistinnen-Konzerten in 13 Jahren mit Werken ausschließlich von Frauen wurde es Zeit für Neues.
Seit 2002/2003 alle zwei Jahre ein neuer Kompositionsauftrag …
Seit der Saison 2002/2003 vergibt musica femina münchen einen Kompositionsauftrag an eine Komponistin. mfm legte damit in der Isarstadt den Grundstein für die Unterstützung von Komponistinnen der Gegenwart und unterstreicht damit seine ausdrücklichen Ziele – nämlich die Arbeit von Komponistinnen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.
Das Münchener Kammerorchester führte diese Kompositionen in der darauffolgenden Saison und bis 2023 in einem Abonnement-Konzert – zumeist im Prinzregententheater – in München auf. Daneben wurden die Konzerte der Reihe Komponistinnen weitergeführt.

25 Jahre mfm im Gasteig – Schlussbild mit Komponistinnen und Aufführenden. Foto: © Marion Mutschler.
Am 3. März 2013 beging mfm seine 25-Jahr-Feier im Münchner Gasteig mit vier Uraufführungen der Vereinsmitglieder Dijana Boskovic (Lichtspiele I | Spiegelungen-Finsternis und Lichtspiele II | Feuertänze), Dorothee Eberhardt (Neon), Elina Goto (Die Schatzsuche, Suite für Violoncello und Marimba Nr. 2), Helga Pogatschar (almost jazz). Eine Expertinnen-Runde zur Lage von Komponistinnen in Vergangenheit und Gegenwart interessierte das Publikum besonders.
2016 und 2021 konnten wir zwei große Konferenzen in München mit den Titeln Und sie komponieren, dirigieren doch! Diversity in Music – Komponistinnen und Dirigentinnen im Musikleben heute bieten. Letztere unter besonders widrigen Umständen während der Corona-Pandemie im Orff-Zentrum, zu der auch internationale Gäste per Zoom-Liveschaltung mit dabei sein konnten.
In Gegenwart und Zukunft
Die Auftragskomposition für 2025 wird 2027 statt der bisherigen Besetzung für Streichorchester von den Münchner Symphonikern mit ihrer großen Besetzung aufgeführt. Daneben wurden die Konzerte der Reihe Komponistinnen weitergeführt. Seit 2025 bieten wir mit dem mfmSALON ein besonderes Format, bei dem die Aufführenden mit den Komponistinnen ins Gespräch kommen und dabei das Publikum einbeziehen.
Als Verein sind wir sind stolz darauf, mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München, dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und der Stiftung Bayerischer Musikfond und verschiedenen Privatstiftungen tatkräftige Unterstützung bei all unseren Aktivitäten zu erhalten!











